Luftaufnahme der Kirche, (c) Sven Hegermann 2023

Die Kirche

Die Dorfkirche Vichel wurde 1867/68 als Backsteinbau in Form einer Kreuzkirche mit Apsis und schmalem Westturm errichtet. In ihrer Gestaltung und Detailausbildung – dem Rundbogenstil der Berliner Schule mit italienisch-romanisierenden Anklängen – ist sie eine Besonderheit unter den Kirchen der Umgebung. Fachleute bewundern die aufwändige Gestaltung, die Detailverliebtheit an Mauern und Emporen und die passenden, schlichten Bleiglasfenster Fenster, die in unterschiedlichen, zarten Farben im Sonnenlicht leuchten.

Außenfoto der Kirche, Hauptportal und Glockenturm, 2023

Der Vorgängerbau

Die Kirche war stets eine Filiale – in früheren Jahrhunderten von Nackel, im 19. Jahrhundert wurde sie vom Pfarrer in Rohrlack mitbetreut; Vichel hatte nie eine eigene Pfarrei und ein Pfarrhaus gab es im Dorf deshalb nicht. Das Patronat für die beide Kirchen lag jedoch beim Vicheler Rittergut, die Bauherrenrolle des neuen Baus damit bei der Familie von Quast.

Um 1602 besaß die Kirche einen silbern-vergoldeten Kelch mit Patenen und zwei Messingleuchter – im Dreißigjährigen Krieg gingen sie jedoch verloren und das Gebäude verfiel so weit, dass Reparaturen an Dach, Glockenklöppel und dem „seit der Schwedenzeit zerstörten Schloss an der Kirchentür“ 1686 nicht mehr halfen. In 1689 entstand ein Neubau: ein kleiner Fachwerkbau von rund 14 x 7 Metern mit Ziegeldach und einem hölzernen Turmaufsatz für die Uhr und Glocken, ganz in der Art der umliegenden Wohnhäuser und Scheunen. Die Kirchgemeinde und der Patron teilten sich die Kosten – der Patron finanzierte unter anderem Blei für die Fenster und das Bier für die Bauleute. Diese Kirche stand in der Dorfmitte, umgeben vom Friedhof.

Der Neubau von 1867/68

Trotz einer Reparatur 1835 war der Bau Mitte des 19. Jahrhunderts zu baufällig und zu klein: Für rund 190 Einwohner standen einschließlich des Gestühls gerade mal 73 Plätze zur Verfügung. Am 13. September 1862 beantragten Kirchenpatron Albrecht von Quast, der Rohrlacker Prediger Albert Siecke (1809–1879) und die Bauern Thal, Bührend und Spielhagen als Kirchen- und Schulvorstand bei der Regierung in Potsdam einen Neubau. Kirche, Schule und Friedhof erhielten neue Standorte am nördlichen Dorfrand; die Schule mit Küsterwohnung wurde 1864 gebaut, die Kirchenplanung begann 1863.

Die Entwürfe und die Bauleitung übernahm der junge Berliner Baumeister Viktor von Weltzien (1836–1927), ein Cousin des Kirchenpatrons und ab 1866 Mitarbeiter im Architekturbüro Gropius & Schmieden. Als Vorbilder dienten die 1851/52 errichtete Dorfkirche Walchow und die Musterentwürfe „Entwürfe zu Kirchen, Pfarr- und Schulhäusern“ der Preußischen Ober-Baudeputation. Im April 1867 war die Planung „zur Erbauung einer neuen Kirche mit Thurm massiv mit Schieferdach“ abgeschlossen. Portalrahmungen, Friese und Gesimse wurden teilweise in Sandstein ausgeführt. Die beiden Bronzeglocken stammten aus der Berliner Gießerei Hackenschmidt, die zuvor die Glocken der Potsdamer Friedenskirche und der Nikolaikirche gefertigt hatte; die Glocken der alten Kirche wurden dafür in Zahlung gegeben. Nach nur anderthalb Jahren Bauzeit weihte Generalsuperintendent Dr. Hoffmann die Kirche am 22. Dezember 1868 ein.

Die Familie von Quast

Die Familie von Quast war seit Anfang des 15. Jahrhunderts im Kreis Ruppin ansässig. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs befanden sich die Güter Vichel, Garz, Rohrlack, Küdow, Damm, Radensleben und Wutzetz fast durchgehend in ihrem Besitz. Im 18. Jahrhundert ließ die Familie die Parks von Garz und Vichel als Barockgärten anlegen; Mitte des 19. Jahrhunderts gestalteten Hermann von Quast (1812–1888) auf Garz und sein Bruder Albrecht (1813–1871), der Vicheler Gutsherr und Bauherr der Kirche, ihre Parks zu Landschaftsgärten um.

Bekanntester Vertreter der Familie ist Ferdinand von Quast (1807–1877), geboren in Radensleben. 1843 wurde er auf Empfehlung Schinkels zum ersten „Generalkonservator der Kunstdenkmäler des preußischen Staates“ ernannt. Ältere Darstellungen – etwa Gerhard Vinkens Band „Brandenburg“ (2000) – schrieben ihm Initiative und möglicherweise die Pläne der Vicheler Kirche zu. Die Aktenrecherche des Historikers Sebastian Panwitz (2024) belegt jedoch Viktor von Weltzien als Entwerfer und Albrecht von Quast als Initiator.

Von 1945 bis heute

Über Jahrzehnte war die Kirche geistiger Mittelpunkt des Dorfes. Nach 1945 verlor sie an Rückhalt, die Bausubstanz wurde vernachlässigt; in den 1990er Jahren war der Zustand kritisch, 2004 wurde ein Abriss diskutiert. Mit der Gründung des Fördervereins Vicheler Dorfkirche e.V. im Januar 2007 wendete sich die Entwicklung – den Weg seither dokumentieren wir unter „Sanierung“.

Quelle: Sebastian Panwitz, „Vichel“, Reihe Schlösser und Gärten der Mark, Heft 129, hrsg. vom Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark in der Deutschen Gesellschaft e.V., 1. Aufl. 2024. Das Heft ist über den Verein zum Selbstkostenpreis erhältlich.